
Postkarte "Insofern - Farbe (#9)" Vorderseite: Elisabeth Sonneck, "Rollbild65 small sisters", Foto: Elisabeth Sonneck
#bisaufweiteres geht in die letzte Runde
Mit dieser vorerst letzten Solo-Schaufensterausstellung verabschiedet sich das Format #bisaufweiteres, um dem hoffentlich wieder möglichen Regelausstellungsbetrieb Raum zu geben.
In der aktuellen Ausstellungsreihe reagiert der Kunstverein Neukölln auf die notwendig gewordenen Schließungen von Kunsträumen. Ein neues Format, die Solo-Schaufensterausstellungen wurden erfolgreich erprobt. Zu sehen waren und sind raumgreifende Installationen, die sich den Besucher*innen sowie spontanen Flaneur*innen offenbaren. Nun folgt mit Ausstellung 7 die vorerst letzte.
- Elisabeth Sonneck, „Scrollpainting49 Along the Red Thread“, 2018, 6x Öl auf Papier je 110 x 300-1000cm, Bambus, Gerät, Reste, Fundstücke, Foto: Yang Rui
- Elisabeth Sonneck, „Hommage à Nouvelles et Textes pour rien 20-11.3“, 2020, Öl auf Pergamin, Wasserwaage, Bleistift, Pinsel, foldback clip, Bandeisen, Foto: Jürgen Baumann
- Elisabeth Sonneck, „Rollbild65 small sisters“, 2019, 3x Öl auf Papier je 110 x 500-1000 cm, Nylonschnur, Bohrkernfragmente, Vorschlaghammer, Foto: Elisabeth Sonneck
- Elisabeth Sonneck, „Rollbild61 lückenlos“, 2019, 2x Öl auf Papier, Wasserwaage, Bandeisen, Öl auf Leinwand, Nagel, Foto: Jochen Wehrmann
- Elisabeth Sonneck, „Rollbild78 inverso, Rollbild79 komplementär“, 2019, Öl auf Papier 110 x 460 cm, Nylonschnur, Gewicht, Foto: Astrid Busch
- Elisabeth Sonneck, „Rollbild78 inverso, Rollbild79 komplementär“, 2019, Öl auf Papier 110 x 460 cm, Nylonschnur, Gewicht, Foto: Astrid Busch
- Elisabeth Sonneck, „Rollbild83 spektral“, 2020, Öl auf Leinwand (2016) und Papier (2019), Nylonschnur, Stein, Foto: Alistair Overbruck
Elisabeth Sonnecks Installation „Insofern“ stellt sich der momentan gegebenen Herausforderung unzugänglicher Kunstorte. Sie spielt mit der Unmöglichkeit einer unmittelbaren Nähe zwischen Kunst und Betrachtenden bei Aufrechterhaltung einer unmittelbaren Wirkung und Präsenz von Kunst.
Die Ambivalenz zwischen Sichtbarkeit und Verborgenheit ist für Elisabeth Sonnecks ortsspezifische Malerei charakteristisch. Seit 2006 arbeitet sie mit langen, einseitig bemalten Papierbahnen, wobei deren Rollspannung vor Ort skulptural genutzt wird. Dasselbe Papier wird je nach Situation als Bo-denarbeit, hängende Spiralform, introvertierter Zylinder und in unzähligen Hybridformen zwischen Wand, Boden, Decke installiert. Recycling und Metamorphose der Papierformationen verlassen die kristalline Festigkeit der Skulptur und betonen – ebenso wie die oft nahe ans Kippen gebrachten, fragilen Balancierungen – den Moment. Die vielschichtige Malerei auf Papier im Atelier wird zum Vorläufer dieser Situationen.
Seit langem folgt Sonnecks Malerei konzeptuellen Vorgehensweisen, die insbesondere das zeitliche Moment des Arbeitsprozesses fokussieren: Die gestaffelten Stopps ihrer langen Pinselzüge komprimieren die Biographie der improvisatorischen, repetitiven Farbfindung. Von der Malerei ist danach in ihren Rollbildern fast alles bis nahezu nichts zu sehen.
Das Verbergen der Farbe, des Bildes, der stattgefundenen Arbeit ist in den letzten Jahren in eine Kollision mit unbearbeitetem Fundzeug gemündet – diese meist lädierten Dinge geben der Malerei den Rest. Zusammen mit der Malerei wird so ein sensibles Gleichgewicht erzeugt.
Konzeption: Rebekka Liebmann