Rescue Rituals

barbara caveng · Saskia Wendland · Simone Zaugg

25. Juni 2022 bis 7. August 2022
Vernissage: Freitag, 24. Juni 2022, 19.00 Uhr
Ausstellungsende: Sonntag, 7. August 2022, 18.00 Uhr

Sonderöffnungszeiten zu 48 Stunden Neukölln:

Freitag, 24.06.2022, 19-23 Uhr
Samstag, 25.06.2022, 14-23 Uhr
Sonntag, 26.06.2022, 14-19 Uhr

Künstler:innengespräch: Sonntag, 10.Juli 2022, 19 Uhr

Postkarte "Rescue Rituals"

Postkarte "Rescue Rituals"

Die Ausstellung Rescue Rituals versammelt Arbeiten aus den Bereichen Video, Fotografie und Zeichnung, die mit besonderen rituellen Handlungen unter Einsatz des eigenen Körpers verbunden sind. Gedanklicher Ausgangspunkt für das Ausstellungskonzept ist das diesjährige Festivalmotto der 48 Stunden Neukölln: „Kafayı yemek / Ich esse meinen Kopf / I am going to eat my head off“. Diese türkische Redewendung kann als eine starke, unerwartete Reaktion auf dramatische Momente gesehen werden. So weisen die Werke verschiedene Methoden und Strategien auf, um existentielle Situationen zu bewältigen, bewegende Erlebnisse zu markieren oder vorsorgend innere Stärkung zu erfahren.

 


barbara caveng präsentiert ausgewählte Fotografien der Serie daily wounds. Kern dieser Sammlung sind selbst getragene Strumpfhosen, die mit ihren Löchern und Laufmaschinen Ereignisse ihres Alltags widerspiegeln. Die Strumpfhosen wurden von der Künstlerin über Jahre hinweg in einem ritualisierten Akt sorgfältig mit einem leuchtend roten Garn gestopft und erhielten dadurch eine Zeichnung, die ein mögliches Drama betont und hervorhebt. Als Serie ergeben die daily wounds eine Art Tagebuch alltäglicher Erschütterungen und gleichzeitig ein neuzeitliches Memento mori, das auf Krankheit, Schwäche, Alter und Sterblichkeit verweist. Die Verletzungen werden nicht verhüllt, sondern offenbart, um Heilung zu erfahren.


16.11.2020 - 7.8.2021

Saskia Wendland, „16.11.2020 – 7.8.2021“, 2021, Buntstift auf Papier, 160 x 173 cm, Foto: Jens Ziehe

Saskia Wendland zeigt eine Zeichnung der Werkgruppe Enter While Circling. Zu sehen ist eine Vielzahl sich überlagernder roter Kreise auf Papier, die über einen Zeitraum von mehreren Monaten entstanden sind. Seit vielen Jahren steht sie jeden Morgen und Abend in unmittelbarer Nähe des großen Papiers, das an der Wand befestigt ist und zeichnet einen Kreis, der die volle Länge ihres Arms misst und ihren ganzen Körper mit der Übung beschäftigt. Die Wiederholung dieser Auseinandersetzung mit der Form zwingt sie den Tag als Künstlerin zu beginnen und zu beenden und ihr Handwerk und die schwierige Aufgabe, einen einfachen Kreis zu herzustellen, buchstäblich zu üben. Die Linien werden solange wiederholt, bis sie genug Kraft gesammelt haben und einen Makrokosmos bilden, in dem die Unendlichkeit nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet ist, wie ein Energiebehälter – ein gezeichneter Genius loci.

 

 


Simone Zaugg ließ sich mit zwei Kameras in einer stillgelegten Bunkeranlage in Unterseen (CH) ein-schließen und erlebte dort einen Raum, der für Krieg und Schutz gleichermaßen steht. Die Erfahrung vom gleichzeitigen Ein- und Ausgeschlossensein wurde von ihr für Lullabies for a Bunker in eine visuelle und akustische Videospur übersetzt. Während einer Tour d’Horizon werden die monotonen Räume vom Kameraauge abgetastet, immer wieder unterbrochen von Stereotypen, sich wiederholenden, sinnlosen Handlungen der Künstlerin und deren akustischen Spuren. Die filmischen Szenen werden begleitet von unterschiedlichen Schlafliedern, gesungen von Migranten und Einheimischen in ihren Muttersprachen. Basierend auf Nachforschungen und Gesprächen mit Menschen mit Bunkererfahrung kristallisierten sich Schlaflieder als Möglichkeit der Sublimation heraus. Sie fungieren als Übergänge von der konkreten Realität in die Fiktion, vom realen Ort in die Projektion, vom Fremd- und Verlorensein in ein Zuhause.

 

Die Ausstellung wird zum Festival in der Reihe ART SPACE LAB präsentiert.

Kuratiert von Susann Kramer.