Spirit – Plunge

Morten Stræde

2. April 2022 bis 1. Mai 2022
Vernissage: Freitag, 1. April 2022, 19.00 Uhr
Ausstellungsende: Sonntag, 1. Mai 2022, 18.00 Uhr


Der Kunstverein Neukölln präsentiert mit „Spirit – Plunge“ ein interdisziplinäres Ausstellungskonzept des dänischen Künstlers Morten Stræde, das sich auf den Terroranschlag auf das World Trade Center im Jahr 2001 bezieht. In aktuell höchst beunruhigenden Zeiten schlägt diese Ausstellung eine Brücke zu einem früheren politischen Wendepunkt der jüngeren Geschichte und dem damit verbundenen Schrecken.

Morten Straedes Arbeiten beschäftigen sich mit zwei sehr verstörenden Fotografien, welche am schicksalhaften Tag des 11. September 2001 aufgenommen wurden. Zu sehen sind Menschen, die aus den obersten Stockwerken des World Trade Center springen, um einer lebensbedrohlichen Situation zu entkommen – und so selbstbestimmt zu Tode kommen. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard spricht von der persönlichen Entscheidung des Individuums als einen existenziellen Sprung. In vielerlei Hinsicht taten die Personen auf den Fotos genau das, indem sie angesichts des Todes eine lebenswichtige Entscheidung trafen. In der Ausstellung gezeigt sind zwei Skulpturen, die diesen Akt des konkreten Existenzialismus aufgreifen: Die LED-Lichtskulptur „Spirit“ vereinigt zwei Silhouetten, die in entgegengesetzte Richtungen fallen oder fliegen. Der Spiegelboden unter der großen hängenden Arbeit „S. K.´s Plunge“ verleiht der Plastik aus rotem Wollfilz den gleichen Effekt. Auch löst der Spiegelboden ein Schwindelgefühl beim Betreten des Raumes aus, da man gewissermaßen ins Leere tritt. Grundlage des großen Digitaldrucks in der Ausstellung ist eine Fotografie von Lower Manhattan unmittelbar nach dem Einsturz der beiden Türme. Die beiden gleich hohen Türme waren für Morten Straede visueller Ausdruck eines stabilen Kapitalismus, welcher durch den Angriff im Jahr 2001 ernsthaft in Frage gestellt wurde. Der Schmerz des Individuums, das nicht mehr von einem Wirtschaftssystem getragen wird, wurde in den für ihn in den fallenden Körper sehr deutlich. Diesem überlagert ist ein Bild von einem Relief aus dem frühen 17. Jahrhundert an der Wand des Thronsaals auf Schloss Rosenborg in Kopenhagen. Ein in Wolken gehüllter Engel fliegt „bewaffnet“ mit seinem Liebespfeil vorbei. Im Gesamtensemble der beiden Räume entsteht so ein Gefühl von Verzweiflung, Tod und gleichzeitig von Hoffnung, Liebe und letztlich Erlösung.